Körperübungen
Vorwort
Bei der Beschäftigung mit Sozialphobie in der Selbsthilfe dürfen wir den Körper nicht vergessen. Probleme im Kontakt mit anderen Menschen spiegeln sich auch auf körperlicher Ebene wider. Körperlicher Kontakt wird oft als eine besondere Nähe empfunden. Manchmal macht gerade dies große Schwierigkeiten, manchmal wird das aber auch als sehr wohltuend und heilsam erlebt.
Stress und Angst wird auch auf körperlicher Ebene empfunden und wirksam. Dann kann es sogar passieren, dass wir uns gar nicht mehr richtig spüren können. Das wir taub geworden sind für körperliche Empfindungen oder einen Gefühlspanzer aufgebaut haben.
Sich mit dem Körper zu beschäftigen, kann helfen, hier wieder durchlässiger für Empfindungen zu werden.
Insofern sammeln wir hier Anregungen für Körperübungen, die in der Selbsthilfe helfen können.
Übungen
Hand geben
Man könnte sich zur Begrüßung die Hand geben. Das ist eine Form von Körperlichkeit, die von den meisten noch im Rahmen des erträglichen ist. Macht man es aufrichtig und bewusst als ein Nähe-Ritual, kann das helfen.
Umarmung
Es gibt Gruppen in manchen sozialen Zusammenhängen, wo man sich zur Begrüßung umarmt. In bestimmten Regionen ist dies auch als Begrüßungsritual selbstverständlich. Ob man dies auch mal in der Selbsthilfe probieren möchte, muss man gemeinsam abwägen. Es sollte niemanden überfordern und auch keine Mutprobe darstellen. Es geht eher darum, ob es möglich ist, dies als angenehm zu erleben.
Resonanzkreis
Resonanzkreis am Anfang und am Ende der Gruppe. Hierbei gibt man sich im Kreis die Hände und spürt meditativ für eine halbe Minute diese Verbindung und Verbundenheit. Es ist auch möglich, dass während dieses Rituals jemand einen heilsamen Satz in die Runde gibt, z.B. "Lasst uns jetzt gemeinsam die Kraft und Verbundenheit der Gruppe spüren." Natürlich müssen solche Rituale stimmig sein.
Rücken ausklopfen
Eröffnungsübung: Den Rücken eines Partners sanft ausklopfen. Alternativen: Ausstreichen oder mit den Fingerspitzen "regnen" lassen. Oder Schultern sanft massieren.
Körperritual
Jemand legt sich auf eine Decke auf den Bauch und alle anderen legen ihre aufgewärmten Hände (vorher ordentlich beide Hände gegeneinander reiben) auf den Rücken. Ich hoffe, derjenige kann es für 1-2 Minuten genießen.
Austausch Rücken an Rücken
Sitzend Rücken an Rücken macht man einen Eröffnungsaustausch jeweils zu zweit. Der eine erzählt dem anderen, wie es einem geht, was man erlebt hat, was einen beschäftigt. Gespräche, die man so führt, erlebt man oft als ganz anders, als Gespräche, wo man Gesicht zu Gesicht sitzt.
Vertrauensübung: Sich führen lassen
Paare bilden sich. Einer lässt sich führen, der andere führt. In der Art, dass der Geführte die Augen schließt und die Hand auf die Hand des anderen legt (Innenflächen zusammen). Der Führende führt diesen jenigen dann mit der Hand durch den Raum, ohne ihn irgendwo anstoßen zu lassen. Das braucht Vertrauen und gleichzeitig ist auch Körperkontakt da.
Vertrauensübung: Fallen lassen
3 finden sich jeweils zusammen. Zwei stellen sich gegenüber in etwa 1m Abstand. Der dritte stellt sich genau in die Mitte dazwischen und schließt seine Augen. Er lässt sich nun langsam nach vorne fallen und wird an den Schultern von dem Vordermann aufgefangen und behutsam wieder zur Mitte gebracht. Dann lässt er sich nach hinten fallen. Wer mag, kann den Abstand vergrößern, um sich mehr zu trauen. Das ganze sollte sehr behutsam ablaufen und nicht zur Leistungsübung werden. Es geht um Vertrauen und nicht um eine Mutprobe.
In die Kraft gehen
Rücken an Rücken und man versucht, den anderen wegzudrücken. Es darf laut und kraftvoll werden.
Hand wegzieh Spiel
Kennt ihr bestimmt alle, dieses Hand wegzieh Spiel. Man stapelt in der Mitte Hand auf Hand. Die unterste Hand zieht immer weg und wird wieder oben drauf gelegt. Zum miteinander warmwerden ganz gut.
Umarmen für Fortgeschrittene
Man sucht sich einen Partner, den man gerne mal in den Arm nehmen möchte. Man umarmt sich dann und spürt einfach, wie gut das tun kann. Darf ruhig mehrere Minuten dauern.